Les textes d’autrefois, l’édition d’aujourd’hui.

In der Morgensonne

Frieda JUNG

Köstliche Kindheitserinnerungen von jemandem erzählt, der sein Kinderherz hat bewahren können. In Kiaulkehmen, einem kleinen Dorf in Ostpreußen, hat sich das Leben nie verändert.

Das Dorf ist eine Oase der Ruhe und Geborgenheit, die Familie ist geschweißt und liebevoll. Die etwas steilen Traditionen werden ohne weiteres ertragen. Jeder kennt sich, man ist nicht reich, hilft sich aber gern gegenseitig ; man träumt von Gumbinnen, der Großstadt ; auf den Markt geht es zum benachbarten Nemmersdorf.

« Einblick in eine versunkene Welt. Ein Text, der den Leser von heute nur zutiefst ergreifen kann. »

Délicieux souvenirs d'enfance racontés par quelqu'un qui a su garder son cœur d'enfant. À Kiaulkehmen, petit village de Prusse orientale, la vie n’a jamais changé.

Le village est un havre de tranquillité et de sécurité, la famille est soudée et aimante. Les traditions un peu raides sont bien vécues. Tout le monde se connaît, on n’est pas riches mais on s'entraide, on va faire son marché à côté, à Nemmersdorf, et on rêve de Gumbinnen, la grande ville.

« Les dernières lueurs d'un monde englouti. Un texte qui ne peut qu'émouvoir profondément le lecteur d'aujourd'hui. »

   

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« Na Kinderchen, los – los », sagte Vater endlich zu Mutter, die an Hanna immer noch etwas zu stecken, zu zupfen, zu schmücken hatte. « Es ist jetzt wirklich Zeit! »
« Geht nur vor, wir holen euch in einer Minute ein! »
Als die beiden aus der Tür waren, legte Mutter beide Arme um Hanna. « Und was ich dich noch bitten wollt’, mein trautstes Kind – misch dich doch heut mal so recht fröhlich unter die Jungend! Was soll bloß aus dir werden, wenn du immer und immer so abseits stehst? »
Unser gutes Mutterchen sah in ihrem schwarzseidenen, « ganz neu umgeänderten » Trauungskleid und dem feinen, weißen « Spitzenaufsatz » auf dem glatten Scheitel so lieb und besorgt aus. Und sie redete die Sprache, die jener Zeit allgemein eigen.

Heut würde sie sagen: « Quäle dich nicht damit ab, mein Kind, etwas zu tun, was deiner innersten Natur widerstrebt! Hast du keine Freude an Tanz und Spiel – sieh doch, wieviel wundervolle Arbeit auf allen Wegen liegt. Greif zu, mein Kind, greif zu! – Wähle dir einen Beruf! »
Ganz gewiß, so würde unser Mutterchen heute sagen! Und Hanna würde den Maßliebchenkranz aus ihrem dunkelblonden Haar nehmen und so tief aufatmen, daß ihre zarte Gestalt ordentlich schwellen würde vor Kraft und Freude: eine Aufgabe, eine Aufgabe!
Aber wie’s damals in der Zeit und in unserm engen Dorfe lag, blieb der Maßliebchenkranz auf ihrer schlichten Haarkrone, und sie sagte nur leise: « Ich werd’ mich heute wirklich zusammennehmen, Mutterchen! »
Am Pillkuhnschen Hof holten wir Vater und Martha ein. Jetzt kam uns die Hochzeitsmusik bereits mit festem, klingendem Marschschritt quer übers Feld entgegengegangen. « Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessern find’st du nit! »

Frieda Jung

4 juin 1865, Kiaulkehmen
† 14 décembre 1929, Insterburg

Als fünftes und jüngstes Kind eines Landschullehrers im Kreis Gumbinnen, Ostpreußen, genoß Frieda Jung den Segen einer umsorgten Kindheit in einer sehr vereinten, beschützenden und fürsorglichen Familie.

Diese ersten Eindrücke, die von einem extrem sensiblen Kind erlebt wurden, sollten ihre Karriere als Schriftstellerin und Dichterin fördern und ihr durch ein schwieriges Leben helfen.

Früh verheiratet und schnell geschieden, verlor sie ihr einziges Kind kurz nach der Geburt. Wegen ihres schwachen Gesundheitszustands mußte sie früh ihren Job als Erzieherin aufgeben und widmete sich dem Schreiben.

Ihre Bücher und Vorträge verhalfen ihr zu einem solchen Renommee, daß sie 1925 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Insterburg erhielt.

Im Januar 1935 wurde ihr Heimatdorf zu ihrer Ehre in Jungort umbenannt. Es war aber kurz vor Ende der Welt. 1945 wurde Kiaulkehmen-Jungort für kurze Zeit Dunajewka, dann hörte es auf, zu existieren.

Cinquième et dernier enfant d’un instituteur de campagne dans la province de Gumbinnen, en Prusse orientale, Frieda Jung vécut la bénédiction d’une enfance choyée au sein d’une famille très unie, protectrice et bienveillante.

Ces premières impressions vécues par une enfant à la sensibilité extrême devaient nourrir sa carrière d’écrivain et de poétesse, et l’aider à traverser une vie difficile.

Mariée tôt et vite divorcée, elle perdit son seul enfant peu après la naissance. Elle-même d’une santé fragile, elle dut rapidement renoncer à exercer son métier d’éducatrice, et se consacra définitivement à l’écriture.

Ses ouvrages et ses conférences lui acquirent une telle notoriété qu’en 1925 elle reçut la citoyenneté d’honneur de la ville d’Insterburg.

En janvier 1935, son village natal fut rebaptisé en son honneur Jungort. Mais c’était peu de temps avant la fin du monde. En 1945 Kiaulkehmen-Jungort devint pour peu de temps Dunajewka, puis cessa d’exister.

Inhaltverzeichnis

Vorwort
Sonnenaufgang
Das neue Nest
Die Religionsstunde
Die Versuchung
Wie’s früher war
Hanna
Die Weihnachtswünsche
Das Nachbarhaus
Die Schulvisitation
Unser Albert
« Es fiel ein Reif… »
Gesundung
Johannisabend
Die Vettern
Ottchen
Aus dem Konfirmandenjahr

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